Gabelbaum

 

Wofür ein Gabelbaum?

Der Gabelbaum ist neben dem Mast der wichtigste Bestandteil eines Riggs, ohne den man ein Windsurf-Segel nicht trimmen kann. Er wird am breiteren Ende, dem so genannten Front end, das heutzutage per Schnellverschluss am Mast in der passenden Höhe befestigt wird. Die Zeiten des aufwändigen Festknotens des Gabelbaums am Mast sind seit den 90er Jahren vorbei. Das andere Ende des Gabelbaums wird auch als Schothorn bezeichnet. In diesem Teil sind Umlenkrollen integriert, über die man das Segel spannen kann.

 

Materialwahl für den Gabelbaum

Die Holme:
Die meisten sich auf dem Markt befindlichen Gabelbäume bestehen aus verschiedenen Aluminium-Arten. Hier unterscheidet man

  • das T6 Aluminium (oder T6-Alloy), das eine recht feste und haltbare Oberklasse für Aluminium-Variationen ist,
  • das T8-Aluminium (oder T8-Alloy), das die T6-Klasse in ihrer Festigkeit noch übertrifft.
  • Darüber hinaus findet sich mittlerweile häufig auch das Ergal Aluminium, das in den letzten Jahren zunehmend zum Einsatz kommt und durch seine Leichtigkeit und seine Steifigkeit überzeugt, jedoch aufgrund seines hohen Preises noch keinen breiten Anklang unter den Gabelbaum-Herstellern findet. Darüber hinaus ist die höhere Korrosionsanfälligkeit im Vergleich zu herkömmlichem Aluminium problematisch.
  • Schließlich gibt es die hochpreisigen Carbon-Varianten, bei denen mehrlagige Kohlefaser-Verstärkungen in eine Kunststoffmatrix eingebettet werden. In der Regel beträgt der Anteil der Carbon-Fasern in so genannten Carbon Gabelbäumen im Vergleich zu Windsurf Masten an die 100 %. Carbon kommt dort zum Einsatz, wo geringes Gewicht mit einer hohen Festigkeit und Steifigkeit vereint werden soll. Diese ist wichtig für ein direktes Ansprechen des Riggs, das durch eine direktere Umsetzung der einwirkenden Kräfte erfolgt.

Der Belag des Gabelbaums:
Für einen besseren "Grip" und einem besseren Fahrgefühl, aber auch aus Gründen des Kälteschutzes, der bei Aluminium-Gabelbäumen eine Rolle spielt, sind die Holme des Gabelbaums mit einer Schicht Ethylenvinylacetat (kurz EVA) beklebt. Zudem bietet dieser Belag Halt für Trapeztampen, die man am Gabelbaum befestigt, um sich mittels eines Trapez mit dem gesamten Körpergewicht in das Segel legen zu können. Mittlerweile hat eine härtere EVA-Variante mit einer höheren Schaumdichte den Soft-Belag bei den meisten Gabelbaum-Herstellern abgelöst, weil diese gegen Beschädigungen und Ablösung beständiger ist.

 

Ausführung von Gabelbäumen

Bauweise des Gabelbaums:
Unterschiede in der Bauweise von Gabelbäumen sind produktionstechnisch bedingt. Unterschieden wird:

  • die so genannte Monocoque Bauweise, bei der die beiden Gabelbaum-Teile (Kopfstück und Endstück) je aus einem Stück gegossen wird und damit keine Sollbruchstelle aufweist. Das wirkt sich auf Steifigkeit und Haltbarkeit positiv aus. Nicht zu verwechseln ist diese Bauweise mit den Bezeichnungen "durchgehendes Frontstück": Bei dieser Technik ist im Gegensatz zum Monocoque Gabelbaum nur der Teil, der den Mast aufnimmt, aus einem Stück. Die Holme hingegen sind genietet, geschraubt und / oder geklebt.
  • die Verschraubung, bei der Kopf- und Endstück aus 2 - 3 Teilen bestehen, die miteinander verschraubt werden. Der Vorteil dieser Bauweise liegt in den flexiblen Transportmöglichkeiten der Gabel: Bei Bedarf kann sie vom Windsurfer einfach auseinandergeschraubt und platzsparend transportiert werden.
  • Vernietung: Die Nieten bieten meistens eine bessere Haltbarkeit im Vergleich zu Schrauben, u. a. weil sie auch nicht ausleiern können. Man erspart sich also die kostspielige Monocoque-Produktionstechnik der Gabelbäume, verzichtet aber gleichzeitig auf die Zerlegbarkeit.

Verstellbereich:
Als Verstellbereich bezeichnet man die Spanne, zwischen der man seinen Gabelbaum verlängern bzw. verkürzen kann. Dies ist nötig, um ein Segel optimal trimmen zu können. Ein zu kurzer Gabelbaum lässt das Segel zu bauchig werden, so dass Druckpunkstabilität und Angleiteigenschaften unter Umständen beeinträchtigt werden. Ein unnötig langer Gabelbaum erschwert das Handling. Worauf ist beim Verstellbereich eines Gabelbaums zu achten? Nun, im Prinzip ermöglicht ein großer Verstellbereich eine große Flexibilität, da man mit einem Gabelbaum eine große Segelspanne abdecken kann. Jedoch ist zu bedenken, dass sich bei einem weit ausgezogenen Gabelbaum-Endstück auch die Steifigkeit und die Stabilität reduzieren, und dass ein großer Verstellbereich auch immer ein langes Endstück und damit großes Gewicht bedeutet. Diese Abwägung muss jeder Windsurfer für dich selbst vornehmen.

Hybrid-Bauweise:
Unter diesem Begriff versteht man einen Mix verschiedener Materialien, die bei der Produktion eines Gabelbaums zum Einsatz kommen. In der Regel verwenden die Hersteller für das aufwändiger zu produzierende Kopfstück (Front end) eine Aluminiumlegierung und für das Endstück eine Karbon-Variante. Insofern ist ein Hybrid-Gabelbaum ein Material-Kompromiss, der die Steifigkeit von Carbon (Endstück) und die preiswertere Technik Aluminium kombiniert. Auch preislich ist ein Hybrid Boom ein Kompromiss für den Windsurf-Begeisterten.

Holmdurchmesser des Gabelbaums:
Der Holmdurchmesser ist ein entscheidendes Kriterium beim Kauf eines Gabelbaums. Gängige Holmdurchmesser sind heutzutage 32 mm, 29 mm und 26 mm. Gemessen wird dabei der innere Durchmesser des Holms. Zur Ermittlung des Außen-Durchmessers muss die Eva-Beschichtung und die Wandstärke (auch hier muss wieder zwischen a) geringem Gewicht und geringer Wandstärke und b) höherer Stabilität und größerer Wandstärke abgewogen werden) addiert werden.

Letztlich ist die Wahl des Holmdurchmessers Geschmackssache: Wer kräftig ist und lieber richtig etwas in der Hand hat und auch eine prompte Reaktion des Riggs erwartet, für den ist der alt bewährte 32er Durchmesser gut geeignet. Der Normalsurfer wählt den heutzutage am weitesten verbreiteten Holmdurchmesser von 29 mm, während Leichtgewichte, Frauen und Jugendliche den 26 mm Holmdurchmesser an Gabelbäumen schätzen, da er beim Greifen mehr Komfort bietet. Zu Empfehlen ist der 26 mm Holmdurchmesser jedoch nur bis etwa 75 kg. Recht neu auf dem Markt ist der so genannte Tapered Boom, bei der Durchmesser aus genannten Gründen 29 mm oder 32 mm beträgt, die Holme jedoch im Greifbereich einen geringeren Durchmesser haben. Häufig unterschlagen wird bei der Diskussion um den Holmdurchmesser auch, dass ein größerer Holmdurchmesser auch zusätzlich dadurch zu einem höheren Gewicht führen kann, weil er sich u. U. mit Wasser füllt. Es ist daher empfehlenswert, beim Kauf eines Gabelbaums auf einen solchen zurückzugreifen, der ausgeschäumte Holme hat, in die gar kein oder nur wenig Wasser eindringen kann.

Wer nun auf die Idee kommt, für einen Gabelbaum mit geringerem Holmdurchmesser müsse man wegen weniger Material weniger zahlen, den erwischt man auf dem falschen Fuß, denn

  • ein geringerer Holm stellt größere Ansprüche an Stabilität, daher wird häufig das bessere Aluminium verwendet und die Produktion aufwändiger gestaltet
  • ein 26mm Holmdurchmesser wird weniger nachgefragt und ist daher durch geringere Stückzahlen bei der Produktion teurer
  • ein Gabelbaum mit 26 mm Holmdurchmesser hat häufig zum Erhalt der Stiffness eine dickere Wandstärke. Insofern ist das Gewicht eines RDM Gabelbaums oder Skinny Gabelbaums oder RDG Gabelbaum (reduced Grip), wie er auch gelegentlich bezeichnet wird, auch nur unwesentlich geringer.

Holmbiegung:
Hierunter versteht man, wie stark sich die beiden Holme vom Kopfstück aus gesehen öffnen. Je nach Segel wird eine unterschiedliche Biegung benötigt. So reicht bei Wave Gabelbäumen bzw. Wave Booms eine relativ geringe Holmbiegung, während diese bei Freeride-Gabelbäumen schon größer sein muss. Ein Race-Segel fährt man mit sehr viel Profil, daher muss die Holmbiegung des Race Gabelbaums oder Race Booms für ein solches Segel am größten sein, damit das Segel unter Druck nicht am Gabelbaum-Holm anliegt und u. U. den Druckpunkt negativ beeinflusst oder den Wind nicht optimal nutzen kann.

Kopfstück:
Die Kopfstücke hochwertiger Gabelbäume sind axial verstellbar. Das hat den Vorteil, dass bei Spannungen an der Gabel, beispielsweise beim Angleiten oder beim Pumpen, nicht vollständig auf dem Kopfstück lasten, sondern dass sich dieses axial an die jeweilige Belastung anpasst und den Druck daher gleichmäßig auf den gesamten Gabelbaum verteilt.

 

Haltbarkeit eines Gabelbaums

Für die Carbon-Gabelbäume spricht nicht nur ein direkte Ansprechen des Riggs und ihr geringes Gewicht, sondern auch eine höhere Haltbarkeit. So hat man bei Aluminium-Gabelbäumen bisweilen im Vergleich zu den höherwertigen Carbon-Varianten mit dem Problem zu kämpfen, dass Salz- oder Kalkablagerungen an den Holm-Innenseiten bzw. am Endstück die Längenverstellung des Gabelbaums erschweren. Dies kann bis zu einem völligen Blockieren der Längenverstellung führen. Gegen Sand in den Holmen und an den Schließmechanismen ist jedoch auch der Carbon-Gabelbaum nicht gefeit. Hier kann man lediglich vorbeugend tätig werden.

Als Pflegeempfehlung für jeden Gabelbaum empfiehlt sich Folgendes:

  • insbesondere das Endstück nach Möglichkeit sandfrei halten
  • den Gabelbaum nach dem Abriggen mit Süßwasser abspülen
  • bei Schwergängigkeit des Gabelbaums die betroffenen Stellen nicht fetten oder ölen, sondern mit ölfreien Produkten wie Teflon, Graphit- oder Silikonprodukten schmieren
  • bei geschraubten Gabelbäumen die Schrauben ab und an kontrollieren und ggf. nachziehen - nichts schadet der Steifigkeit des Booms mehr als lockere Schrauben
  • zur Verbesserung der Optik bei Bedarf UV-ausgebleichte Stellen leicht abschmirgeln
  • sich lösenden EVA Grip frühzeitig wieder ankleben oder aber sauber abzuschneiden, um ein weiteres Ablösen zu vermeiden
  • den Gabelbaum beim Transport nicht ohne weiteres auf das Autodach spannen, weil der große Druck des Spanngurts die Holme verbiegen kann (insbesondere auch, wenn er auf ein Surfboard gespannt wird, das ja gebogen ist

 

 

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