Die Qual der Wahl: Surfboard-Finnen

Empfehlungen zur SurffinneEine Finne bzw. ein Finnen-Set für ein Surfboard zu kaufen, kann einen Normalsterblichen schnell an den Rand der Verzweiflung treiben. Die Auswahl in den Surfshops ist riesig: Verschiedene Bauweisen, Materialien, Areas, Flex, Rakes, Setups und Systeme machen die Wahl schwierig. Daher versuchen wir mit diesem Artikel, etwas Licht ins Dickicht zu bringen. Im Einzelnen wollen wir zu folgenden Fragen beraten:

 

Welche bekannten Finnen-Systeme gibt es beim Wellenreiten und wie identifiziere ich sie?

Die US Box

Eins der älteUS Box Finnesten Systeme ist die US Box, die auch in der Windsurfbranche weit verbreitet war: Dabei wird ein viereckiges Metallplättchen (ein so genanner Nutenstein) in die Finnenbox eingeschoben. Anschließend wird die Finne mit einer Kante in den Finnenkasten geschoben. Die andere Kante wird mittels einer 4mm Schraube im zuvor eingeschobenen Plättchen festgeschraubt. Dieses System bietet also eine sehr stabilie Fixierung der Finne im Kasten und ermöglicht stufenlose Verstellmöglichkeiten (Finne weiter nach vorne oder nach hinten). Wegen ihrer großen Stabilität wird sie daher auch beispielsweise in 2+1 Finnen-Setups häufig noch als Centerfinne eingesetzt. Ebenso sind viele Single Fins noch mit einer US Box ausgestattet, da Single Finnen verhältnismäßig lang sind und einem größeren Druck standhalten müssen. Nervig ist allerdings die Fummelei mit der Schraube, mit der man durch den Finnenschaft hindurch das Gewinde im Plättchen treffen muss. 
 

Die FCS Box bzw. FCS II Box

FCS FinneDie FCS Box erkennt man im Board daran, dass sie zwei Einsteck-Schlitze hat, die so genannten Plugs. Daher gehört die FCS Box auch zu den Plug Systemen. Die zugehörige Finne besitzt zwei Keile am Schaft, die in die Plugs gesteckt werden. Zur Fixierung werden mit einem Finnenschlüssel seitlich Madenschrauben festgezogen, die die Finne in der Verankerung halten. Dieses System ist brilliant wegen seiner Einfachheit - so lange man den passenden Finnenschlüssel parat hat und die Madenschrauben nicht ausnudeln oder verloren gehen. Metallgewinde von Schrauben in einem Plastik-Finnenplug - da muss man behutsam vorgehen und darf die Schrauben nicht zu fest drehen. Eine kleine Revolution ist daher das FCS II System, das mit den alten FCS Finnen abwärts kompatibel ist: Hier ersetzt ein Clip die Funktion der Schrauben. Finnen einstecken, Clip betätigen, fertig. Kinderleicht, weitgehend Verschleiß-unanfällig und es können keine Kleinteile mehr verloren gehen.

Die Futures Box

Futures Finne Einer wachsenden Beliebtheit erfreut sich die amerikanische Futures Box. Hier wird die Finne an einem Ende des Kastens eingehakt und an der anderen Seite mit einer Madenschraube festgedreht. Im Vergleich zum US Box System ergibt sich dabei der Vorteil, dass die Fixierungsschraube im Gewinde des Finnenkastens ohne Fummelei immer perfekt sitzt. Im Vergleich zu FCS liegt die Futures Finne nicht nur an den zwei Keilen an, sondern über die komplette Länge des Schafts. Daher sitzt die Futures Finne sehr stabil im Kasten und hat eine etwa 60 % größere Kontaktfläche mit dem Kasten. Dennoch ist die Futures Finne mit so einem großen Schaft nicht schwerer als andere Finnen, da aus dem Schaft häufig Teile herausgestanzt sind, so dass nur noch Streben stehen, die sich gegenseitig stützen.






Was hat es mit diesem Finnenprofil auf sich?

Es ist vermutlich niemandem entgangen, dass die Seitenfinnen im Vergleich zur Centerfinne nicht symmetrisch sind. Während die Centerfinne zu beiden Seiten konvex sind, findet man bei den Seitenfinnen nach außen zwar auch eine Konvexe, aber nach innen entweder eine flache Form (flat foil) oder sogar eine konkave Form (inside foil bzw. bei Futures V2 foil). Hintergrund dieser unterschiedlichen Profile ist ein verändertes Verhalten des Boards, denn eine Inside Foil verringert die Reibung und vergrößert gleichzeitig den Auftrieb. Das ermöglicht eine bessere Beschleunigung und höhere Geschwindigkeiten, was insbesondere an schwächeren Tage geschätzt wird. Die Flat Foil Side Fins zeigen an den heftigen Tagen ihre Qualitäten: Mehr Kontrolle und eine höhere Laufruhe, besonders bei Turns.



Single, Twin, Thruster, Quad: Welche Finnen-Setups gibt es?

Hierbei richtest du dich natürlich nach dem Setup, das dein Board dir mit seinen Finnenkästen vorgibt. Denkbar sind:
  • Single Fin: Eine etwas längere Finne mittig hinten unterm Board - mehr Drive geht fast nicht.
  • Twin setup: Zwei Seitenfinnen. Dabei wird auf die Mittelfinne zu Gunsten von mehr Drive verzichtet.
  • Thruster: Momentan das verbreitetste Setup mit drei Finnen. Dieses Setup ist ideal für Surfer, die eine sehr gute Wendigkeit mit Kontrollierbarkeit vereinen wollen.
  • 2+1 Setup: Ebenfalls drei Finnen, allerdings ist die Mittelfinne deutlich länger als die anderen beiden. Dabei ist es sogar nicht einmal selten, dass Side Fins und Center Finne unterschiedliche Systeme haben.
  • Quad Setup: 4 Finnen, die im Vergleich zum Thruster mehr Geschwindigkeit erzeugen und dadurch auch für schwächere Wellen gut geeignet sind



Flex & Co. - Wie unterscheiden sich die Bauweisen?

Der Flex einer Finne gibt an, wie hart sie ist. Dies wird maßgeblich durch die verschiedenen Bauweisen bestimmt. Auf dem Markt gibt es unzählige dieser Bauweisen. Diese alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen und sicherlich schneller veraltet sein als dass der Artikel fertig ist. Daher beschränken wir uns auf grundsätzliche Infos zum Zusammenhang von Flex und Fahrverhalten: Harte Finnen bringen mehr Kontrolle und Stabilität ins Board. Sie ermöglichen auch engere Turns und eine direktere Steuerung. Allerdings bringen sie dir auch weniger Drive. Mit weicheren Finnen holst du mehr Power aus der Welle und erreichst auch in kleineren Wellen Geschwindigkeit, aber bei kräftigen Wellen fühlt sich dein Board etwas "schmierig" an und ist möglicherweise schlechter zu kontrollieren.

 

Welche Finne brauche ich und wie kann ich sie aussuchen?

Es hängt viel vom Gewicht des Sufers ab, aber es spielen auch weitere Faktoren wie das Level und gewünschte Eigenschaften des Boards eine Rolle. Wir stellen die wichtigsten Einflussgrößen kurz und möglichst einfach vor.

Bei der Größe einer Finne sprechen wir exakter gesagt von der Finnenfläche, die häufig als "Area" angegeben ist. Viele Finnenhersteller empfehlen für bestimmte Surfer-Gewichtsspannen eine Finnen-Größe von XS bis XL, z.B.
 
XS: Unter 55 kg
S: 55 – 70 kg
M: 65 – 80 kg
L: 75 – 90 kg
XL: Über 85 kg

Dies ist als Orientierung geeignet, kann aber in Einzelfällen nicht zum "Perfect Match" führen, denn dies spricht für eine größere Finne:
  • Je größer der Surfer, desto größer sollte auch die Finne sein, um dem Board mehr Halt zu geben
  • Je mehr Volumen und Breite das Board im Heck hat, desto größer sollten die Finnen sein
  • Surfboards mit mehr Rocker (also einer stärkeren Aufbiegung der Nose) brauchen für den selben Drive längere Finnen als Boards mit weniger Rocker
  • Wer einen stärkeren Drive sucht, muss eine längere Finne mit mehr Sweep (auch "Rake" oder "Biegung" genannt) wählen
In diesen Fällen ist eine kleinere Finne als empfohlen ratsam:
  • Je kürzer die Finne und je weniger Sweep, desto verzeihender und weniger radikal ist das Surfboard
  • Je weniger Rocker das Board hat, desto kleiner dürfen auch die Finnen sein.
  • Ein Schlankes Tail (oder Heck) mit weniger Volumen macht eine kleinere Finne möglich
  • Je dicker die Rails (also die Seitenkanten des Boards), desto kleiner dürfen auch die Finnen sein.
Es wird deutlich, dass sich die Auswahl der Finne im Prinzip danach richtet, ob man entweder einer hohen Geschwindigkeit, Drehfreudigkeit und Agilität oder einer bessern Stabilität und Kontrolle die Priorität einräumt. Wenn du also mit der Größen- und Gewichtsempfehlung (XS bis XL, siehe oben) nicht zurecht kommst, empfehlen wir dir die folgende Tabelle um zu erfahren, worauf du beim Kauf von Zweit- oder Ersatzfinnen achten musst.
 
Ich will... →
Ich brauche dafür...↘

Geschwindigkeit & bessere Beschleunigung

Höhere Drehfreudigkeit & Wendigkeit Mehr Stabilität & Kontrolle
Oberfläche (Area) -- -- +
Finnenspitze (Tip) --   +
Finnenbasis (Base) + --  
Biegung (Rake) + -- +
Härte (Flex) -- + --
Profil (Foil)

Inside Foil (konkaves Profil) bei Futures auch V2 genannt

  Flat Foil
 

Komplizierte Materie, nicht wahr? Deswegen hat sich Futures etwas Schlaues ausgedacht, um Surfer beim Finnenkauf nicht zu frustrieren: Das "Ride Number"-Konzept, bei dem man sich auf einer Skala von 1 bis 10 einordnet. Dabei bedeuten die Zahlen:
  • 1-4: "Speed Controlling - When the waves are pumping". Mit Ride Number 1,2,3 und 4 hast du also auch in heftigen Bedingungen die maximale Kontrolle
  • 4-7: "Balanced - For the average conditions with the best match of speed an control". Mit Ride Number 4,5,6,7 bist du also bei durchschnittlichen Bedingungen gut bedient.
  • 7-10: "Speed Generating -  When you're pumping". Mit Ride Number 7,8,9 und 10 holst du auch bei kleineren Wellen an schwachen Tage das Maximale aus den Wellen heraus.


Bei fast allen Futures Finnen unseres Sortiments ist die Ride Number in der Beschreibung mit angegeben. Den kompletten Futures Katalog mit allen Surfer-Gewichten und Ride Numbern gibt es hier.

Future Finnen kaufen

Es wird also deutlich: Mit Finnen verhält es sich ähnlich wie mit Autoreifen - ihre Bedeutung wird unterschätzt, obwohl Lust und Frust beim Surfen maßgeblich von den passenden Finnen abhängig sind.